Geschichte Ziele
 

Ein "kurzer" Überblick über die Ortsgruppe Memmingen

(Die Geschichte der Memminger Naturfreunde ist hier nur in Auszügen dargestellt da eine vollständige Chronik fehlt. Es werden nur die wichtigsten Punkte angesprochen. Wer genauere Informationen möchte kann sich beim Verein melden.)

Am Freitag den 2. Januar 1920 wurde die Ortsgruppe in der Gaststätte zum Goldenen Hasen gegründet. Der Verein begann mit den 7 Gründungsmitgliedern:

Otto Strobel - 1. Obmann

Jakob Leeb - 2. Obmann

Georg Brommler - Schriftführer

Heinrich Konz – Kassierer

sowie den Mitgliedern Frederike Konz, Georg Leeb und Hans Saur.

Schnell war die Anzahl bis zum Jahresende auf 68 Mitglieder angewachsen. Man traf sich einmal monatlich zu einer Mitgliederversammlung sowie einmal jährlich zu einer „Generalversammlung“.
Freitagabend war in der Regel ein Vereinsabend, wo gesungen wurde, Mitglieder Vorträge hielten, Berichte zitiert und Lesungen gemacht wurden. Fotos wurden gezeigt und Reiseberichte gegeben, vor allem aber Gemeinschaft gelebt.

Die Verbotsjahre 1933 bis 1945

Auf Grund der Naziherrschaft wurden viele Vereine und Organisationen, unter anderem die Naturfreunde, in ganz Europa verboten. Sie passten nicht in das Bild des Regimes. Waren doch die Naturfreunde auch dafür bekannt, dass sie sich neben verbesserten Arbeitsbedienungen auch für die Form einer sozialen Demokratie einsetzten. Selbstverständlich war man auch in der Arbeiterbewegung engagiert. Eine politische Einstellungen die den Machthabern ein stetiger Dorn im Auge war. Die Mitglieder wurden in Deutschland verfolgt, die Naturfreundehäuser beschlagnahmt, und der Verein aufgelöst.

Wiedergründung der Ortsgruppe Memmingen

Mit Unterstützung und Genehmigung des Amerikanischen Militärkommandanten wurden die Naturfreunde, Ortsgruppe Memmingen am 30. September 1945 im „Goldenen Engel“ in der Hirschgasse wieder gegründet. Zum ersten Vorstand wurde wieder Otto Strobel gewählt. Das Registeramt der Stadtverwaltung, versuchte den bislang, seit 1933 durch die Nazis, verbotenen Verein zu verhindern, in dem sie die Eintragung so lange als möglich verwaltungsmäßig behinderten. Die Eintragung wurde im September 1948 durch das Registeramt vorgenommen und die Ortsgruppe Memmingen als Verein eingetragen.

Im Mai 1946 wurde bei einer Ausschusssitzung, wie einem handschriftlichen Bericht von Otto Pfeifer zu entnehmen ist, der Bau des Rechberghauses beschlossen. Anwesend waren neben den Naturfreunden auch die Mitglieder des Alpenvereins, Sektion Memmingen. Dieser Verein war bis dahin noch verboten und konnte erst später wieder als eigenständiger Verein agieren.
Die Mitgliederanzahl stieg aber stark an und konnte auf 223 gesteigert werden.

Die Jahre nach dem Krieg

Am 11. Mai 1946 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau des Rechberghauses unweit des Rot- Kreuz über der Illerschleife bei Rothenstein/Grönenbach. Unter der Aufsicht der Landpolizei und zahlreicher Schaulustigen wurde mit 32 Mitgliedern das Fundament gelegt. Schon am 4. August 1946 konnte mit etwa 400 Gästen die Einweihung gefeiert werden. Das Behelfsheim verfügte über 2 Räume. 1 Küche und 15 Schlafplätze sowie einen Keller.

Im Jahr 1947 hatte der Verein 334 Mitglieder. Eine Wasserzuleitung zum Rechberghaus wurde gebaut. Die Mitglieder Dittrich und Schober legten in Garmisch die Skilehrerprüfung ab und Tourenwart Saur konnte trotz schlechter Ernährungslage eine Anzahl von Touren durchführen. Martin Schedel, der Jugendwart, berichtete, dass 40-50 jugendliche Mitglieder regelmäßig die Jugendgruppenabende besuchen und auch im Vereinsleben aktiv sind.

Die Bezirksjugendkonferenz fand am 17. und 18. September in Memmingen statt. Das Lindauer Tor wird am 2. Oktober 1948 als Treffpunkt für die Jugendgruppe eingeweiht.
Hans Schedel ist jetzt Bezirks-Wintersportwart. Das Ressort in Memmingen wird jetzt von Ludwig Satzger geleitet.
Auch beim Weiterbau des Rechberghauses werden Fortschritte gemacht indem getrennte Waschräume erstellt werden. Möglich wurde dies nur durch zahlreiche Spenden von verschiedenen Firmen.

1958 wurde nach einem Rechtsstreit, wegen der Rückführung deutschen Eigentums aus Österreich, die Lechtalklause an die Ortsgruppe Memmingen übergeben. Das Haus wurde 1927 von den Allgäuer Naturfreunden erworben und der Öffentlichkeit zugängig gemacht.
Die jährliche Omnibusfahrt ging an den Comersee mit 55 Mitgliedern.

Auch im Jahr 1959 war die Lechtalklause eines der Hauptthemen des Vereins. Die Finanzierung des Hauses war nur möglich durch den finanziellen und persönlichen Einsatz von vielen Mitgliedern. In erster Linie ist hier das Mitglied Georg Leeb zu nennen der sich sehr stark dafür einsetzte. Auch die anderen Mitglieder der Ortsgruppe gaben ein Darlehen von 2.200.-DM. Folglich war es daher nur Konsequent die jährliche Busfahrt auf die Lechtalklause zu unternehmen. Die Wiedereröffnung des Hauses, am 29. April, fand unter großem Interesse der Öffentlichkeit statt. Außerdem wurde auf dem Rechberghaus die Liegeterasse fertiggestellt. Es fehlte nur noch das Geländer. Mit einer Fotogruppe wurde eine neue Abteilung gegründet.

Am 19. November feierte die Ortsgruppe ihr 40 jähriges Bestehen. Die Gestaltung übernahm die Jugendgruppe sowie die „Älteren“ unter der musikalischen Leitung von Gestlauer.

Trotz des hohen Arbeitsaufwandes in den beiden Häusern wurden von der Wandergruppe 62 Touren mit 377 Wanderfreunden organisiert. Das Rechberghaus selbst konnte zu dieser Zeit schon 1.200 Übernachtungen vorweisen.

Obmann Strobel der das Amt, mit Unterbrechung in der Nazizeit, seit 1920 ausführte gab am 31. Januar 1964 das Amt ab. Meinungsverschiedenheiten wegen des Lechtalhauses waren hier wohl ein ausschlaggebender Punkt. Am 21. Februar 1964 fanden daher Neuwahlen statt. Robert Stoll setzte sich nach 3 Wahlgängen als neuer Vorstand durch. Zweiter Vorstand wurde wie seit 1948 Georg Nitschke. Hausreferenten wurden Fritz Salzgeber sowie Heinrich Kessler. Die Monatsversammlungen fanden ab 6. März in der Weizenbrauerei statt.

Für das Rechberghaus ging es unterdessen weiter. Am 15. September erfolgte eine Unterredung mit Baron von Westernach bezüglich des Kaufes des Grundstückes auf dem das Rechberghaus gebaut wurde.

Der Landesverband Bayern sowie der Bezirk Schwaben lehnten auf Grund fehlender Mittel den Kauf der Lechtalklause ab. Auf Grund dessen wurde das Lechtalhaus vom Landesverband zum Verkauf freigegeben. Die am 7. November stattfindende Konferenz im Gasthaus Frühlingsstraße in Kempten sollte den endgültigen Verkauf regeln. Die Ortsgruppe als alleiniger Verkäufer und Verteiler des Geldes wurde durch Robert Stoll, Georg Nitschke, Hans Schedel, Hans Saur, Michael Wassermann und Peppi Futter vertreten. (hier fehlen noch die genauen Daten wer das Haus schlussendlich erworben hat.)

Im Jahre 1977 wurde für das zu Klein und nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügende Rechberghaus eine Baugenehmigung erteilt. Sie gilt für 3 Jahre. Bis dahin muss gebaut werden oder die Genehmigung verfällt. Eine heftige Diskussion darüber ob, und wenn dann wie, entsteht. Speziell von der Jugendgruppe wird der Neubau heftig kritisiert. Verbindet man doch viele schöne Erinnerungen mit dem Haus und seinen unvergesslichen Hüttenabenden. Sie favorisiert eine komplette Renovierung unter der Beibehaltung der ursprünglichen Substanz.

1978 fällt schließlich die Entscheidung für den Neubau. Wie genau die Pläne von Robert Stoll umgesetzt werden sollen weiß noch niemand. Klar ist nur, dass der Sanitärtrakt im Keller stehen bleiben soll. Die Unterlagen werden zur Prüfung an den Landesverband gereicht der diese an das Ministerium zur Förderwürdigkeit weiterleitet.

Von der Ortsgruppe wurden in diesem Jahr 19 Vereinstouren, 25 Mehrtagestouren und zwei Omnibusfahrten mit insgesamt 1.181 Personen veranstaltet.

Am 24. Juni präsentiert sich die Ortsgruppe erstmals mit einem Infostand in der Fußgängerzone. Wolfgang Weiß konnte den Landesgeschäftsführer Heinz Arnold als kompetenten Mitstreiter gewinnen.

Bei der Generalversammlung 1979 wurde durch Neuwahlen Georg Nitschke zum ersten Vorstand gewählt. Zweiter Vorstand wurde Cilli Mohr. Die Tischtennisgruppe leitet Ruth Stoll. Wanderführer wurde wieder Otto Kräß. Für den Bereich Motortouristik zeichnete sich Hans Kutter jun. Verantwortlich. Das Ressort Wintersport ging wieder an Fritz Hieber sowie die Fotogruppe an Frieder Nitschke. Für den wichtigen Posten Rechberghaus wurde Dorle Stoll gewählt. Das „Winterdomizil“ Moosalpe übernahm wiederum Fritz Salzgeber. Jugendleiterin wurde Monika Mohr und für die Jungnaturfreunde zeichneten sich Ulrike Mohr und Gerdi Kräß verantwortlich.
Die Wintersaison begann wie immer in den letzten Jahren mit der Skigymnastik in der Ratzengrabenturnhalle. Die Notwendigkeit der Skigymnastik, die für jede Altersgruppe geeignet war, wurde von Fritz Hieber geleitet. Die sportlichen Erfolge bei den Skirennen sprechen für die ausgezeichnete Arbeit die hier geleistet wurde.

Am Pfingsten 1979 wurde mit dem Abriss des Rechberghauses begonnen. Das Haus wurde noch ausgeräumt, und am 16. Juni wurde mit dem Abriss begonnen. Schon am 31. Juli begann der Rohbau der am 18. September durch sehr großen Arbeitseinsatz der Mitglieder vollendet war. Besonders zu erwähnen sind hier die Senioren des Vereins. Unter der Regie von Hans Kutter sen. und Michael Schedel leisteten sie einen bedeutenden Anteil am Neubau. Sie waren es die bald tagtäglich auf der Baustelle zu sehen waren. Am 22. September wurde das Dach in Eigenregie gezimmert und gedeckt. An freiwilligen Arbeitsstunden wurden von den Mitgliedern etwa 1.875 Arbeitsstunden geleistet. So konnten schon am 19. Juli, nach der Fertigstellung des Innenausbaues die ersten Gäste begrüßt werden. Insgesamt kostete der Neubau des Rechberghauses 245.000 DM. Staatszuschüsse waren mit 107.000 DM zu verzeichnen sowie Zuschüsse der Stadt Memmingen von 12.000 DM. Das Eigenkapital von 20.000 DM wurde ergänzt durch eine Eigenleistung von 31.000 DM. Somit war noch ein Darlehen von 75.000 DM im laufe der kommenden Jahre zu tilgen.

Im Jahre 1980 tritt Wolfgang Weiß nach erheblichen Auseinandersetzungen um Satzungs- und Meinungsfragen vom Amt der Kontrolle zurück. Neben dem Thema der Wahlberechtigung für Kinder und Jugendliche kam es auch im Bauausschuss- Rechberghaus zu heftigen Kontroversen die nicht gelöst werden konnten.

Die Jugendgruppe beschäftigt sich zu dieser Zeit hauptsächlich mit Themen wie Atomenergie, Faschismus, Alkohol und Nikotin. Zu dieser, sehr aktiven Zeit der Jugendgruppe wurden sehr viele Seminare, Schulungen und Zeltlager besucht. Dies fand nicht immer die Zustimmung der Vereinsoberen. Sie waren oftmals der Ansicht, dass Politik und dergleichen nichts bei den Naturfreunden zu suchen hätten. Auch die Begründung, dass der Verein seine Wurzeln in der Arbeiterbewegung hat und schon immer die Politik einen wichtigen Faktor darstellte konnte die Spannung, die sich schon mit dem Bau des Rechberghauses aufgebaut hatten, nicht verhindern.

(Hier Enden die momentan verfügbaren Quellen. Im Archiv der Ortsgruppe, im Lindauer Tor, werden die weiteren Quellen gesichtet und zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt.)


   
   
   
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